Time-of-Use: Wie Unternehmen durch intelligentes Timing bis zu 30% Stromkosten sparen
Was sind Time-of-Use-Tarife?
Time-of-Use (ToU) Tarife sind zeitvariable Stromtarife, bei denen der Preis je nach Tageszeit, Wochentag oder Jahreszeit variiert. In Zeiten hoher Netzauslastung – typischerweise morgens zwischen 7–9 Uhr und abends zwischen 17–20 Uhr – ist der Strom teurer. In Schwachlastzeiten wie Nacht, Mittag oder Wochenenden ist er günstiger. Wer seinen Verbrauch intelligent anpasst, kann erheblich sparen.
Das Konzept ist in Deutschland unter dem Begriff Hoch- und Niedertarif (HT/NT) seit Jahrzehnten bekannt, wird aber mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Smart-Meter-Rollout deutlich differenzierter und attraktiver. Moderne ToU-Tarife können stündliche oder sogar viertelstündliche Preisstufen abbilden – direkt gekoppelt an den Börsenstrompreis (EPEX Spot).
Rechtlicher Rahmen: EnWG, Smart-Meter-Pflicht und Digitalisierung
Die gesetzliche Grundlage für zeitvariable Tarife in Deutschland bildet das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) in Verbindung mit dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Seit 2020 läuft der gesetzlich vorgeschriebene Smart-Meter-Rollout:
- Verbraucher mit einem Jahresstromverbrauch über 6.000 kWh sind zum Einbau eines intelligenten Messsystems (iMSys) verpflichtet.
- Verbraucher über 100.000 kWh/Jahr müssen bereits mit einem Lastgangzähler ausgestattet sein.
- Ab 2025/2026 werden ToU-Tarife für alle iMSys-Kunden explizit durch das EnWG gefordert.
Aktuelle Informationen zum Smart-Meter-Rollout veröffentlicht die Bundesnetzagentur im Bereich Messstellenbetrieb.
Wie groß ist das Einsparpotenzial?
Die Preisdifferenz zwischen Hoch- und Niedrigtarifzeiten beträgt je nach Anbieter und Tarifmodell zwischen 30% und 60%. Ein Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 500.000 kWh kann durch konsequente Lastverschiebung in günstige Zeiten 15.000 bis 30.000 € jährlich einsparen.
Laut dem BDEW Strompreisreport entfällt bei typischen Industriekunden ein erheblicher Teil des Strombezugs auf die teuren Abend- und Morgenstunden – obwohl viele Prozesse grundsätzlich zeitlich flexibel wären.
Typische ToU-Tarifstrukturen im Überblick
| Tarifmodell | Zeitstufen | Typische Preisdifferenz | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Klassisches HT/NT | 2 (Tag/Nacht) | 20–30% | Alle RLM-Kunden, einfache Steuerung |
| Dreizonen-Tarif | 3 (Morgen/Tag/Nacht) | 30–45% | Betriebe mit flexiblen Schichtzeiten |
| Dynamischer Tarif (stündlich) | 24 (stündlich) | 40–60% | Automatisierte Prozesse, hohe Flexibilität |
| Spotpreis-gekoppelt (EPEX) | 96 (15 Min.) | 50–150%+ | Industrieabnehmer mit flexiblen Prozessen |
Wie hilft Deeplytics Pro bei der ToU-Optimierung?
Die Time-of-Use Analyse von Deeplytics Pro visualisiert den stündlichen Energieverbrauch im Vergleich zu den jeweiligen Tarifzeiten. Die Software identifiziert automatisch:
- Hochpreisige Verbrauchsspitzen: Welche Prozesse laufen unnötigerweise in teuren Tarifzeiten?
- Verschiebungspotenziale: Welche Lasten können in günstigere Zeiten verschoben werden?
- Optimale Betriebszeiten: Wann sollten energieintensive Anlagen bevorzugt betrieben werden?
- Automatisierungsgrade: Welche Lasten lassen sich automatisch steuern, welche erfordern manuelle Planung?
Analyse als Grundlage: Vom Einsparpotenzial zur gezielten Umsetzung
Der volle Nutzen zeitvariabler Tarife erschließt sich durch eine Kombination aus fundierter Analyse und konsequenter Umsetzung. Deeplytics Pro liefert dabei die entscheidende Datengrundlage: Die Software identifiziert präzise, welche Lasten in welchen Tarifzeiten anfallen, wo das größte Verschiebungspotenzial liegt und welche Maßnahmen den höchsten ROI erzielen. Diese Erkenntnisse ermöglichen es Unternehmen, schnell und gezielt zu handeln – oft ohne großen technischen Aufwand:
- Produktions- und Schichtplanung auf Basis der Analyseergebnisse anpassen
- Betriebszeiten energieintensiver Anlagen in günstige Tarifzonen verlagern
- Manuelle Prozesse durch klare Datengrundlage einfach optimieren
- Bei dynamischen Tarifen: Verbrauchsschwerpunkte gezielt in Niedrigpreisphasen verschieben
Laut einer Studie des Fraunhofer ISE zur Flexibilität im Stromsektor haben Industrieunternehmen in Deutschland theoretisch ein Flexibilitätspotenzial von über 10 GW – das Gros davon ungenutzt. Die Analyse ist dabei der erste und wichtigste Schritt: Wer nicht weiß, wann und wo sein Verbrauch anfällt, kann keine gezielte Optimierung betreiben.
Kombination mit Batteriespeicher: Maximale Flexibilität
Ein Batteriespeicher in Kombination mit einem ToU-Tarif erzielt den höchsten wirtschaftlichen Nutzen: Der Speicher wird in den günstigsten Nachtstunden geladen (z.B. 01:00–05:00 Uhr) und entlädt sich in den teuersten Abendstunden (z.B. 17:00–20:00 Uhr). Die Arbitrage zwischen Hoch- und Niedrigtarif finanziert den Speicher oft in 3–5 Jahren.
Zusätzlich kann der Speicher gleichzeitig für Peak Shaving eingesetzt werden – eine sogenannte Multi-Use-Strategie, die die Wirtschaftlichkeit des Investitionsguts erheblich verbessert.
Praxisbeispiel: Bäckerei reduziert Energiekosten um 28%
Eine Bäckerei mit mehreren Backstraßen hatte bislang keine Kenntnis über ihre Verbrauchsverteilung über den Tag. Die ToU-Analyse mit Deeplytics Pro zeigte, dass 65% des Energieverbrauchs in Hochtarifzeiten stattfand. Backprozesse, Kühlung und Reinigungsanlagen liefen ohne jede Rücksicht auf die Tarifsituation.
Durch die Anpassung der Produktionsplanung (Backprozesse auf frühe Nachtstunden vorgezogen), den Einsatz eines Wärmespeichers für die Gärkammer sowie die Programmierung von Reinigungs- und Kühlanlagen auf NT-Zeiten konnte der Anteil des Verbrauchs in günstigen Zeiten auf 70% gesteigert werden – eine Kosteneinsparung von 28%.
Einsparpotenzial-Vergleich nach Branche
| Branche | Flexibles Einsparpotenzial | Typische Maßnahmen |
|---|---|---|
| Bäckerei / Lebensmittel | 20–35% | Backzeiten vorziehen, Kühlung steuern, Wärmespeicher |
| Produktion / Maschinenbau | 15–30% | Schichtplanung anpassen, Druckluft vorhalten |
| Büro / Handel | 10–20% | Klimaanlage, Beleuchtung, EV-Laden steuern |
| Logistik / Lager | 20–30% | Gabelstapler-Laden auf Nacht, Kühlung optimieren |
| Rechenzentren | 15–25% | Batch-Jobs nachts, Kühlungssteuerung, UPS-Entlastung |
Schritt für Schritt zur ToU-Optimierung
- Tarifanalyse: Aktuellen Stromvertrag prüfen – gibt es bereits ein HT/NT-Modell? Wenn nicht: Angebote mit zeitvariablen Tarifen einholen.
- Lastprofil erstellen: Stündliche Verbrauchsdaten (Smart Meter oder RLM-Zähler) für mindestens 3 Monate analysieren.
- Overlay-Analyse: Verbrauchsprofil mit Tarifstufen überlagern – wie viel Verbrauch entfällt auf HT vs. NT?
- Flexibilitätsinventar: Welche Lasten sind zeitlich verschiebbar? In welchem Zeitfenster?
- Simulieren und priorisieren: Wie viel Einsparung bringt jede Maßnahme? Welche hat den besten ROI?
- Umsetzung planen: Produktionsplanung anpassen, Betriebszeiten optimieren – je nach Komplexität der Lasten auch mit Zeitschaltuhr oder weiterer Steuerungstechnik realisierbar.
- Monitoring: Laufende Auswertung, ob Maßnahmen die erwarteten Einsparungen bringen.
Fazit
Time-of-Use Optimierung ist besonders für Unternehmen mit flexiblen Produktionsprozessen ein unterschätztes Einsparpotenzial. Das Schöne daran: Viele Maßnahmen kosten nichts außer einer intelligenten Analyse und einer Anpassung der Betriebsplanung.
Mit dem fortschreitenden Smart-Meter-Rollout in Deutschland und der zunehmenden Verfügbarkeit dynamischer Tarife wird die ToU-Optimierung in den nächsten Jahren von einem Nischenthema zu einem Standard-Instrument im betrieblichen Energiemanagement.
Weiterführende Quellen
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